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Nachrichten aus und über Kuba

Nachrichten, Berichte, Reportagen zu aktuellen Entwicklungen, Hintergründen und Ereignissen in Kuba, internationale Beziehungen und der Solidarität mit Kuba.


Jetzt sprechen wir – die Völker Lateinamerikas

Unter dieser Losung fand vom 2. bis 4. Dezember vergangenen Jahres der Kongreß zur "Bildung einer alternativen Kommunikation" in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, statt. Im Ergebnis des Forums von Sao Paulo wurde Venezuela beauftragt, einen solchen Kongreß durchzuführen, weil allen Beteiligten bewußt ist, daß die bürgerliche Propaganda als "vierte Macht im Staat" zur modernen Kriegsführung benutzt wird. Diese richtet sich gegen alle fortschrittlichen Kräfte, die um soziale Rechte kämpfen, bis hin zu jenen Staaten, die mit dem Aufbau des Sozialismus eine alternative zum gegenwärtigen Kapitalismus bieten. Dieser Kongreß in Venezuela, der eigentlich erst im Januar 2020 stattfinden sollte, wurde notwendig aufgrund der zugespitzten Situation in Lateinamerika – mit dem faschistischen Putsch in Bolivien, den verstärkten sozialen Kämpfen in Chile und Kolumbien, der prekären Situation in Argentinien mit der hohen Staatsverschuldung, der extremen Situation in Brasilien mit dem faschistoiden Präsidenten und insbesondere mit der ausgeweiteten Embargopolitik der USA und deren Vasallen gegenüber Kuba und Venezuela. Das Ziel des Kongresses war eine solidarischen Vernetzung aller fortschrittlichen Kräfte, um sich auf kürzestem Weg stets mit Informationen auszutauschen und diese entsprechend medial zu verbreiten, um so der Bevölkerung in allen Ländern eine alternative, wahrheitsgemäße Berichterstattung gegenüber der bürgerlichen Hetzpropaganda zu bieten.

Trotz der Embargopolitik haben 135 Delegierte aus 38 Ländern an diesem Kongreß teilgenommen. Die Delegierten erwarteten ein vollgepacktes Programm. Schon am Vorabend des Kongresses gab es verschiedene Informationsveranstaltungen, so etwa ein Gespräch mit Tanja Dìaz, Ministerin für Kommunikation und Information und derzeit erste Vizepräsidentin der Asamlea Nacional Constituyente (Nationalversammlung), über die Bedeutung der Informationsverbreitung unter aktuellen Bedingungen.

Bei sommerlichen Temperaturen fand am nächsten Tag die Eröffnung des Kongresses unter freiem Himmel am Kongreßzentrum statt. Die Aussagen der Präsidentin von "teleSUR", Patricia Villegas, und Ernesto Villegas (Schriftsteller, ehemaliger Chef des Regierungsbezirkes Caracas und jetziger Kulturminister) waren hochinteressant, da sie verdeutlichten, wie die bürgerlichen Medien im In- und ausland mit Falschmeldungen Hetzkampagnen gegen die Regierung Maduros inszenieren.

Danach folgte ein sehr emotionaler Teil, da hier verschiedene frei agierende Journalisten mit ihren Tatsachenberichten von den Putschversuchen seit 2017 berichteten. Dazu wurden von ihnen gefertigte Filmaufnahmen eingespielt. Die Bilder zeigte, wie vermummte Contras, mit Gewehren bewaffnet, auf mehreren Motorrädern auf Chavisten und andere für die Regierung demonstrierende Bürger zufuhren und mit Molotowcocktails warfen. Daß in diesem Zusammenhang bürgerliche Medienvertreter geschützt hinter den vermummten Angreifern ihre Aufnahmen machten, war deutlich zu erkennen. Die Film- und Fotoaufnahmen der freien Journalisten konnten nur unter Lebensgefahr gemacht werden.

Am 3. Dezember wurde in acht verschiedenen Gruppen seht intensiv gearbeitet. Es wurden u.a. die Psychologie der Medien, digitale Netzwerke, Kultur linker Vernetzung, Medien in Kriegszeiten und "Wir sind das Netzwerk" behandelt. Alle Themen waren für sich genommen schon sehr intereßant. Ich entschied mich für letzteres, auch deshalb, weil ich hier Anregungen für die sofortige Umsetzung erwartete.

Am späten Nachmittag wurde kurzfristig eine Großdemonstration in Caracas organisiert. Hintergrund war der tags zuvor vom kolumbianischen Präsidenten mit weiteren 16 Staaten und den USA einberufene militärische Rat, der weitere Maßnahmen gegen Venezuela beschließen sollte. Wer eine solche Manifestation großer Teile der Bevölkerung zur Unterstützung ihrer Regierung in Venezuela nicht erlebt hat, war nicht in Venezuela. Sicherlich ist hier die besondere Mentalität der Lateinamerikaner mit zu berücksichtigen, aber wer eine solche Verbundenheit wischen Regierung und Volk miterlebt, verseht, warum in Venezuela bisher jeder Putschversuch gescheitert ist. Meine eigenen Video- und Fotoaufnahmen belegen, wie entschlossen man ist, die Errungenschaften gegen jegliche Angriffe von innen oder außen zu verteidigen.

Daß ich am Rande des Kongresses an weiteren wichtigen Gesprächen teilnehmen konnte, war unserem Freund Dr. Carolus Wimmer zu verdanken. Als Aktivist im COSI (Komitee für internationale Solidarität und Friedenskampf), welches 1971 gegründet worden ist, hat er eine große Bedeutung. Es ist die einzige Friedensorganisation in Venezuela, und es gilt auch hier, über Landesgrenzen hinaus die solidarische Zusammenarbeit weiter auszubauen. Ebenso konnte ich mit Freude einige der vielen Errungenschaften seit der Zeit Hugo Chávez' bis heute live erleben. So wurden 2,9 Millionen Sozialwohnungen gebaut, die voll ausgestattet den Familien (ca. 77 m² für 4 Personen) kostenlos übergeben wurden. Bus- und U-Bahn-Fahrten sind ebenso gratis wie die medizinische Versorgung, der Besuch staatlicher Schulen oder das Studium.

Am letzten Tag wurde dann für alle Teilnehmer des Kongresses die Auswertung am Regierungssitz mit Präsident Maduro vorgenommen. Unter freiem Himmel wies er Präsident in seiner Rede auf die große Bedeutung der internationalen Solidarität hin und darauf, daß die Schaffung einer alternativen Vernetzung unter uns die beste Waffe gegen jegliche Angriffe des Imperialismus ist.

Danach ging es wieder zum Tagungsort ins Hotel Alba, wo der Vizepräsident der PSUV und Präsident des Verfassungskonvents, Diosdada Cabello, im Rahmen einer Kulturveranstaltung den Kongress offiziell beendete.

Bei diesem kurzen, aber sehr intensiv erlebten Aufenthalt in Venezuela wurden auch viele noch bestehende Probleme sichtbar. In Gesprächen mit Repräsentanten der Regierung und der Bevölkerung wurde nicht nur ihre enge Verbundenheit deutlich – ihnen ist bewußt, daß in der Vergangenheit Fehler gemacht worden sind und man auch künftig nicht davon frei sein wird.

Ich habe die Venezolaner als ein sehr liebevolles und emotionales Volk erlebt, und ich kann sehr gut verstehen, wenn man jenen Linken eine klare Absage erteilt, die da meinen, sie müßten wegen begangener Fehler eine "kritische Solidarität" üben. Da kann ich den Venezolanern nur zustimmen, da jedem Land, jeder Bewegung, welche um Unabhängigkeit kämpft, für Frieden und sozialen Fortschritt eintritt sowie einen antikapitalistischen Kurs einschlägt, die uneingeschränkte Solidarität aller Linken gehören sollte. Jedem sollte bewußt sein, daß beim Aufbau einer neuen fortschrittlichen Gesellschaft immer wieder Fehler vorkommen können. Das ist auch der Tatsache geschuldet, daß dieser Aufbau ständig auf vielfältigste Art durch jene Kräfte gestört wird, die ihren Einfluß zu verlieren drohen.

Kämpfen wir gemeinsam solidarisch mit unseren Freunden, den Venezolanern, mit Kubanern, Chilenen, Bolivianern und allen Völkern, die für ihre Unabhängigkeit, für sozialen Fortschritt und Frieden eintreten!

Rotfuchs Carsten Hanke, Rostock
RotFuchs, Februar 2020